Qi” (gespr.tschi) ist die chinesische Bezeichnung für die Lebenskraft die vitale Energie, die alles Lebendige durchdringt und erhält und erst mit dem Tode erlischt.

“Gong” (gespr. gung) bedeutet Weg, Methode. Übung, Arbeit. Der Begriff Qi Gong - Arbeit mit dem Qi - dient daher heute als Sammelbegriff für rund 4000 Übungen, die alle das eine Ziel haben, die Lebenskraft zu stärken und damit die Gesundheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Das Qi durchströmt den Körper auf zahlreichen Bahnen, den Meridianen, die den Körper wie ein Verkehrsnetz von größeren und kleineren Straßen durchziehen. Wenn das Qi ungehindert fließen Kann, ist der Mensch gesund; kommt es aber zu Stauungen oder Blockaden, wird der Mensch krank.

Die Meridiane, auf denen sich auch die Akupunkturpunkte befinden, sind im Unterschied zu den Bahnen des Blutes und der Nerven für die meisten Menschen unsichtbar; doch gab es in alter wie neuer Zeit immer wieder hellsichtige Menschen, die sie zu sehen vermochten, so das Zeichnungen von ihrem Verlauf hergestellt werden konnten.

Zu dem bewegten Qi Gong gehören neben dem aus den Kampfkünsten entwickelte Taijiquan das “Wildgans- Qi Gong”, “ Der fliegende Kranich, “Das Spiel der 5 Tiere” u.a. Übungsfolgen, die die Anlehnung an die Bewegung von Tieren - den Qi-Fluss günstig beeinflussenden Bilderreihen zusammenstellen.

Andere Bewegungsfolgen sind einzelnen Organen gewidmet, wie das “ Herz-Qi Gong”, das “Nieren- Qi Gong”, “Lungen- Qi Gong”, das “5- Organe Qi Gong” etc..

Einige Übungen kombinieren das Stille und Äußere Qi Gong wie die “8 Brokate Übung im Stehen oder sitzen” die Übung “ die Kiefer” oder das “ Lao Gung waschen”.

Das tibetisch-buddhistische “Chan Mi- Qi Gong” baut seine zahlreichen Übungen auf einer der Wirbelsäule in kontinuierliche Schwingung versetzenden Basisübung auf - in Anerkennung der fundamentalen Bedeutung der Wirbelsäule für alle Lebensprozesse.

Die mit bestimmter Atemtechnik verbundenen Geh- Übungen des “Guo Lin- Qi Gong” finden Einsatz bei chronischen Krankheiten sowie in der Krebstherapie.

Kennzeichnend für alle Übungsfolgen sind die langsamen, weich, fließenden, runden oder spiralförmigen Bewegungen, die auf Dauer alle Teile des Körpers in sanfte Schwingung versetzen und damit den ganzen Menschen beweglich, d.h. lebendig erhalten - denn wo Bewegung ist, ist Leben.

Geschichte des Qi Gong

Über die Entstehung von Qi Gong existieren verschiedene Auffassungen. Die Legende sagt, vor 5000 Jahren veränderte sich das Klima in China so stark, dass Menschen dadurch krank wurden. In ihrer Verzweiflung warfen sie sich vor Gott nieder und bemerkten, dass sich durch die Bewegung ihr Zustand verbesserte. So entstand Qi Gong. Andere meinen, vor tausend Jahren gab es in China Wunderheiler, "Lohan" genannt, die über besondere Fähigkeiten verfügten. Nach dem Tod wurde für jeden "Lohan" eine Statue errichtet. Diese werden heute noch angebetet und verehrt. Jeder "Lohan" wurde in einer für ihn typischen Haltung abgebildet, es war die Haltung, in der er am häufigsten Menschen geheilt hat. Diese Haltungen sind die heutigen Qi-Gong Übungen. An den Qi Gong Instituten in China hat man die verschiedenen Haltungen untersucht und festgestellt, dass die Energie in diesen Stellungen stärker zu fließen beginnt. Die ältesten schriftlichen Hinweise auf die Körperübungen finden sich im "Nei Jing". Eine Sammlung medizinischer Ratschläge, die der Arzt Qi Bo dem Kaiser Huang Di um 2600 vor Christus gegeben hat. Später entstandene Schriften beschreiben verschiedene Qi Gong Schulen. Dort wurde das berühmte "Spiel der fünf Tiere" gelehrt. Die fünf Tiere sind entsprechend ihren Eigenschaften den fünf Elementen zugeordnet.
  • Behäbiger Bär - Erde
  • Anmutiger Kranich - Metall
  • Geschmeidiger Affe - Wasser
  • Kraftvoller Tiger - Holz
  • Dynamischer Hirsch – Feuer
Mit der Zeit entstand aus dem "Spiel der fünf Tiere" eine heilgymnastische Bewegungsform, die Grundlage des heutigen Qi Gong. Während der Kulturrevolution in China war Qi Gong verboten, erlebt aber seit den 50er Jahren eine wahre Renaissance. Qi Gong ist in seinem Ursprungsland zur Massenbewegung geworden. Betriebe regen ihre Mitarbeiter an, sich mit Entspannungsübungen des Qi Gong fit zu halten, an Universitäten und Schulen verbessern viele ihre Aufmerksamkeit durch die Übungen, und morgens sind die Parks voll von übenden Menschen.

Techniken des Qi Gong

Qi Gong kann im Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen ausgeübt werden. Die Übungen im Liegen eignen sich besonders für kranke und schwache Menschen, sie helfen speziell bei Schlafstörungen. Die Übungen im Sitzen werden zur Stärkung des Körpers angewandt. Für die geistige Konzentration sind Haltungen im Stehen besonders hilfreich, und im Gehen wird die Kraft entfaltet. Bei allen Bewegungen konzentriert sich der Übende auf eine gleichmäßige, tiefe Atmung, um dadurch die Lebenskraft Qi aufzunehmen. Man unterteilt weiter in "innere" Übungen für Blut, Puls, Atmung, Organe und "Äußere" Übungen für Skelett, Sehnen, Muskeln und Haut. Am besten ist es, die Übungen unter freiem Himmel zu machen. Die Energie der reinen und frischen Natur ist für das Qi am besten. Dann kommt der Körper auch besser mit negativen Energien wie Umweltgiften, Abgasen und Radiowellen zurecht. Qi Gong ist eine der wenigen Therapieformen der traditionellen chinesischen Medizin, bei der Gefühle mit berücksichtigt werden. Da jedem Meridian eine bestimmte Gefühlslage zugeordnet ist, beeinflussen die Übungen, anders als das verwandte Tai Chi Chuan das Wohlbefinden und die Psyche. Inzwischen gibt es Unterarten des Qi Gong wie etwa den Shaolin-Stil, den Daoistischen Stil, den Kranich-Stil und das stille Qi Gong, Nei Gong genannt.

Die Methode der Selbst-Übungen des Qi - Gong lassen sich einteilen in, Übungen-in-Ruhe und Übungen-in-Bewegung, weiterhin in Übungen mit festgelegtem Bewegungsmuster und Übungen mit spontanen, aus innerem Impuls heraus entstehendem Bewegungsmuster. Die praktischen Übungen des Qi - Gong, mit denen Qi (Chi) trainiert, mobilisiert und kultiviert wird, umfassen Körperhaltungs- und Bewegungsübungen, Atemübungen sowie geistige Übungen der Konzentration, Imagination und Meditation. Dabei gelten die körperlichen Übungen als Grundlage und wichtige Basis des Qi - Gong. Die geistigen Übungen, die Vorstellungsbilder, die eine Übung begleiten, das Lenken und Bewahren der Vorstellungskraft in bestimmte Körperareale sind die führenden Kräfte der Übungen.

Gerade in den Qi - Gong Übungen sollen die Lebenskräfte des Menschen entsprechend den Naturgesetzmässigkeiten Von Yin und Yang gefördert und entwickelt werden. Der grundlegende Wandel von Yin und Yang wird im Wechsel von schließenden und öffnenden Bewegungen, von steigenden und sinkenden Bewegungen, von hohen und tiefen Körperhaltungen, im Beugen und Stecken des Körpers und im Speichern und Aktivieren des Qi geübt. Einatmen und Ausatmen, Anspannung und Entspannung sind Übergänge zwischen diesen polaren Übungselementen. Übung: Laogung waschen

Das Konzept der Meridiane

beschreibt ein vernetztes System von Akupunkturpunkten an der Körperoberfläche, die durch eine gedachte Linie (Meridiane) verbunden sind. In diesen meist paarig angelegten energetischen "Gefässen" bewegt sich die Lebenskraft (Qi) und Xue (Blut) durch den Organismus. Die Meridiane frei und durchgängig zu halten, gilt als Vorraussetzung für einen gesunden Organismus. Somit ist die enge Beziehung der Qi - Gong Übungen zur Chinesischen Medizin und dem Akupunktur-Meridiansystem erkennbar. In zahlreichen Bewegungsformen werden Meridianverläufe gezielt durch Dehnung und Kraftvorstellung, Anspannung und Entspannung beeinflusst.

Die am häufigsten verwendeten Akupunkturpunkte spielen auch bei Qi - Gong - Übungen eine wichtige Rolle. Körperhaltungen und Bewegungen sowie Bewusstseinslenkung werden zur Aktivierung der Punkte herangezogen. In der Basis-Übung des Qi - Gong Yangsheng "Stehen wie eine Kiefer" ruht das Gewicht auf beiden Fußsohlen, wobei man sich gedanklich in der Erde über den Bereich des Akupunkturpunktes Yongquan (Niere 1) verwurzelt.

Unter den vielen variationsreichen Formen des Qi - Gong gibt es eine historische Methodemit stark zunehmender Popularität: das sog. "spontane Qi - Gong". Die ausübende Person bewegt sich (dynamisch), oder in Ruhe verharrend (statisch), in Übereinstimmung mit den eigenen Körperempfindungen und Bedürfnissen. Somit steht, liegt oder sitzt die Person entsprechend den dann aktuell empfundenen Bedürfnissen seines jeweiligen Qi. Ein individuelles Üben, welches voll und ganz auf den eigenen Körperzustand angepasst ist. Hier werden keine Grenzen, was die Spontanität angeht, gesetzt und jeder Übende bewegt sich oder hält inne, ganz nach seinen eigenen inneren Bedürfnissen und Neigungen.

Zusammenfassung der Wirkungen durch regelmässiges Üben von Qi - Gong:

  • Förderung der Gesundheit und Verhinderung von Krankheit
  • Mentale und physische Regeneration
  • Steigerung des eigenen Energiezustandes
  • Reduzierung von Stress - bis zur Stressimmunität
  • Steigerung des Selbstbewusstseins und der Selbstachtung
  • Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit
  • Steigerung von Gelassenheit und Entspannung
  • Stärkung des Immunsystems
  • Unterstützung des Heilungsprozesses von Körper, Seele und Geist
  • Allgemeine Qualitätsverbesserung von Schlaf und allgemeinem Wohlbefinden

Das Chi lädt den Körper mit Energie auf

Das Chi fließt durch die Organe des Körpers und lädt diese immer wieder mit Energie auf. Diese Aufladung vollzieht sich im Zweistunden-Rhythmus von einem Organ zum andern. Die Chinesen sprechen deshalb von der Organ-Uhr.
  • Die Lungen-Energie: Sie beginnt um drei Uhr morgens, wenn die Lungen "aufgeladen" werden; jeder Bergsteiger weiß, dass er zwischen drei und fünf Uhr morgens die meiste Lungen-Energie zur Verfügung hat und beginnt deshalb um diese Zeit mit seiner Bergtour.
  • Der Dickdarm: Der Dickdarm löst die Lungen ab (zwischen 5 und 7 Uhr), deshalb sollte man frühmorgens auch Stuhlgang haben.
  • Der Magen: Von 7 bis 9 Uhr wird der Magen aktiviert (Frühstückszeit)
  • Milz und Pankreas von 9 bis 11 Uhr
  • Das Herz folgt von 11 bis 13 Uhr
  • Der Dünndarm von 13 bis 15 Uhr
  • Die Blase von 15 bis 17 Uhr
  • Die Nieren von 17 bis 19 Uhr
  • Der Herzbeutel von 19 - 21 Uhr
  • Der Dreifach-Erwärmer von 21 bis 23 Uhr
  • Die Gallenblase von 23 bis ein Uhr
  • Die Leber zwischen ein und drei Uhr morgens. Spätestens um Mitternacht sollte man daher aufhören, Alkohol zu trinken, um der Leber die Regenerationsphase zu ermöglichen.