Es ist eine faszinierende Kampfkunst, eine Meditation in Bewegung und ein ausgeklügeltes Gesundheitssystem. Seine Geschichte beginnt vor ungefähr drei Jahrtausenden und zahlreiche Legenden und Mythen sind seit dieser Zeit entstanden. Die wahre Geschichte liegt im Dunkel, doch diese Version erscheint glaubwürdig: Mönche, Bauern, Reisende und andere unbewaffnete Bürger der alten Zeit mussten sich im täglichen Leben herumziehender und marodierender Räuberbanden erwehren. Da sie keine Waffen besaßen verteidigten sie sich mit Händen und Füßen sowie mit Haushalts- und Arbeitsgeräten.
Auf diesem Wege entstanden in ganz Asien ab etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung zahlreiche unsystematisierte Verteidigungskünste. Im dritten Jahrhundert n. Chr. wurde auf einem Berg in der Provinz Henan der Shaolin- Tempel gegründet, dessen Mönche für ihren besonders effektiven Kampfstil bekannt waren. Sie hatten über die Jahrhunderte der Übung den so genannten .äußeren. oder "harten". Stil entwickelt, der hauptsächlich aus kraftvollen und schnellkräftigen Hand-, Fuß- und Sprungtechniken bestand . mit dem Ziel, die Kraft des Gegners zu brechen oder seinen Attacken zuvorzukommen.
Zhang San Feng, ein Shaolin-Mönch des 14. Jahrhunderts, war mit seinem Training und seiner Kampfkunst nicht zufrieden. Er verließ das Kloster und wanderte Richtung Süden in die Wudang-Berge, die zu seiner Zeit als das Zentrum daoistischer Philosophie angesehen wurden. Während einer Meditation beobachtete er in den Wäldern den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange. Beeindruckt von deren charakteristischen Kampfbewegungen entwickelte er (inspiriert vor allem vom Aspekt des Nachgebens und Ausweichens) seinen eigenen Kampfstil, der die eleganten Bewegungen der beiden Tiere imitierte. Dieser Kampftechnik besteht aus sanften und geschmeidigen Bewegungen, die an die Angriffe des Gegners angepasst werden und seine Kräfte absorbieren oder zu ihm zurücklenken. Aus diesem Grund wurde er im Gegensatz zum harten, äußeren Stil ."sanfter". oder ."innerer". Stil genannt.
Zhangs Überlegungen und Vorstellungen vom Kampf basieren auf der Philosophie des Daoismus. Hier geht es nicht um den mit Muskelkraft und Krperhrte errungenen Sieg ber den Gegner, sondern darum, die Energie des Gegners zu erspüren, ihm gerade keinen Widerstand zu bieten und die gegnerische Energie durch Nachgeben zum diesem zurückzuführen.
Der Großmeister Chen Xiaowang 19. Gen. Chen-Stil, der aktuelle Linienhalter der Chen-Familie Laotse, Begründer des Daoismus Angreifer besiegt sich selbst, der Kampfknstler bleibt schadlos. Daher ist dieser Kampfstil auch fr kleine und schwächere Menschen zur Verteidigung gegen körperlich überlegene Gegner geeignet. Aufgrund der hohen Effektivität seines Stils wurde Zhang rasch bekannt und unterrichtete eine Anzahl von Schülern, die ihr Wissen unter verschiedenen Namen in China verbreiteten. über die Jahrhunderte entwickelten sich auf diese Weise zahlreiche Variationen von Zhangs Kampfkunst.
Der bekannteste dieser inneren Stile ist das Taijiquan, das in der späten Ming-Dynastie (Ende des 16. Jh.) von Chen Wangtin, einem General der Ming-Armee geschaffen wurde. Dieser älteste und traditionellste Taijiquan-Stil, der Chen-Stil, ist nach ihm und der Region Chenjiagou, in der seine Familie heute noch lebt, benannt. Alle anderen heute praktizierten Stile können in einer mehr oder weniger direkten Linie auf den Chen-Stil zurückverfolgt werden. Neben dem Chen-Stil haben sich vier andere wichtige und weit verbreitete Stile entwickelt: der Yang-Stil, der alte und neue Wu-Stil und der Sun-Stil.
In den 50er Jahren des 20sten Jahrhunderts beauftragte die chinesische Regierung Großmeister Lie Tien Yi, zusammen mit einer Reihe weiterer namhafter Kampfkunstexperten einen Taijiquan-Stil mit moderater Länge und Schwierigkeit zu schaffen, der trotz Kürze und Einfachheit die gesamte Fülle des historischen Übungs- und Gedankenguts enthalten sollte. Auf der Basis des damals sehr verbreiteten Yang-Stils schuf Lie eine Folge mit 24 zum Teil vereinfachten Bewegungssequenzen. Dieser Stil wird nach der chinesischen Hauptstadt Beijing-Stil (oder Peking-Stil) genannt und ist heute der weltweit meist verbreitete Stil überhaupt. In den Folgejahren schuf Lie, um den Stil zu vervollständigen, eine auf schwierigeren, komplexeren und dynamischeren Formen des Chen-, Wu- und Sun-Stils basierende Form mit 48 Bewegungssequenzen und eine Schwertform mit 32 Sequenzen.
Trotz zahlreicher Vereinfachungen und Kürzungen im Vergleich zu den alten und traditionellen Stilen ist in den Sequenzen des Beijingstil doch fast das gesamte Bewegungsrepertoire vertreten. Alle Stile des Taijiquan basieren bis heute auf den gleichen Prinzipien, die sie mit allen inneren Stilen teilen. Gleichwohl der Schwerpunkt des Taijiquan heute verstärkt auf seinen positiven Gesundheitsaspekten und der Meditation liegt, ist nach wie vor in jeder Bewegung der Aspekt der Selbstverteidigung und der kämpferischen Anwendung enthalten. Auf diese Weise beinhaltet das Taijiquan mit seinen vielfältigen eleganten Bewegungen sowohl die Verkörperung der Lebensphilosophie des Daoismus, eine effektive Kampfkunst, ein allgemeines Gesundheit schützendes System und eine Meditation in Bewegung.
Auszug aus: I DAO - Schule für Taijiquan und Qigong - Ulrich Rosen
Auf diesem Wege entstanden in ganz Asien ab etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung zahlreiche unsystematisierte Verteidigungskünste. Im dritten Jahrhundert n. Chr. wurde auf einem Berg in der Provinz Henan der Shaolin- Tempel gegründet, dessen Mönche für ihren besonders effektiven Kampfstil bekannt waren. Sie hatten über die Jahrhunderte der Übung den so genannten .äußeren. oder "harten". Stil entwickelt, der hauptsächlich aus kraftvollen und schnellkräftigen Hand-, Fuß- und Sprungtechniken bestand . mit dem Ziel, die Kraft des Gegners zu brechen oder seinen Attacken zuvorzukommen.
Zhang San Feng, ein Shaolin-Mönch des 14. Jahrhunderts, war mit seinem Training und seiner Kampfkunst nicht zufrieden. Er verließ das Kloster und wanderte Richtung Süden in die Wudang-Berge, die zu seiner Zeit als das Zentrum daoistischer Philosophie angesehen wurden. Während einer Meditation beobachtete er in den Wäldern den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange. Beeindruckt von deren charakteristischen Kampfbewegungen entwickelte er (inspiriert vor allem vom Aspekt des Nachgebens und Ausweichens) seinen eigenen Kampfstil, der die eleganten Bewegungen der beiden Tiere imitierte. Dieser Kampftechnik besteht aus sanften und geschmeidigen Bewegungen, die an die Angriffe des Gegners angepasst werden und seine Kräfte absorbieren oder zu ihm zurücklenken. Aus diesem Grund wurde er im Gegensatz zum harten, äußeren Stil ."sanfter". oder ."innerer". Stil genannt.
Zhangs Überlegungen und Vorstellungen vom Kampf basieren auf der Philosophie des Daoismus. Hier geht es nicht um den mit Muskelkraft und Krperhrte errungenen Sieg ber den Gegner, sondern darum, die Energie des Gegners zu erspüren, ihm gerade keinen Widerstand zu bieten und die gegnerische Energie durch Nachgeben zum diesem zurückzuführen.
Der Großmeister Chen Xiaowang 19. Gen. Chen-Stil, der aktuelle Linienhalter der Chen-Familie Laotse, Begründer des Daoismus Angreifer besiegt sich selbst, der Kampfknstler bleibt schadlos. Daher ist dieser Kampfstil auch fr kleine und schwächere Menschen zur Verteidigung gegen körperlich überlegene Gegner geeignet. Aufgrund der hohen Effektivität seines Stils wurde Zhang rasch bekannt und unterrichtete eine Anzahl von Schülern, die ihr Wissen unter verschiedenen Namen in China verbreiteten. über die Jahrhunderte entwickelten sich auf diese Weise zahlreiche Variationen von Zhangs Kampfkunst.
Der bekannteste dieser inneren Stile ist das Taijiquan, das in der späten Ming-Dynastie (Ende des 16. Jh.) von Chen Wangtin, einem General der Ming-Armee geschaffen wurde. Dieser älteste und traditionellste Taijiquan-Stil, der Chen-Stil, ist nach ihm und der Region Chenjiagou, in der seine Familie heute noch lebt, benannt. Alle anderen heute praktizierten Stile können in einer mehr oder weniger direkten Linie auf den Chen-Stil zurückverfolgt werden. Neben dem Chen-Stil haben sich vier andere wichtige und weit verbreitete Stile entwickelt: der Yang-Stil, der alte und neue Wu-Stil und der Sun-Stil.
In den 50er Jahren des 20sten Jahrhunderts beauftragte die chinesische Regierung Großmeister Lie Tien Yi, zusammen mit einer Reihe weiterer namhafter Kampfkunstexperten einen Taijiquan-Stil mit moderater Länge und Schwierigkeit zu schaffen, der trotz Kürze und Einfachheit die gesamte Fülle des historischen Übungs- und Gedankenguts enthalten sollte. Auf der Basis des damals sehr verbreiteten Yang-Stils schuf Lie eine Folge mit 24 zum Teil vereinfachten Bewegungssequenzen. Dieser Stil wird nach der chinesischen Hauptstadt Beijing-Stil (oder Peking-Stil) genannt und ist heute der weltweit meist verbreitete Stil überhaupt. In den Folgejahren schuf Lie, um den Stil zu vervollständigen, eine auf schwierigeren, komplexeren und dynamischeren Formen des Chen-, Wu- und Sun-Stils basierende Form mit 48 Bewegungssequenzen und eine Schwertform mit 32 Sequenzen.
Trotz zahlreicher Vereinfachungen und Kürzungen im Vergleich zu den alten und traditionellen Stilen ist in den Sequenzen des Beijingstil doch fast das gesamte Bewegungsrepertoire vertreten. Alle Stile des Taijiquan basieren bis heute auf den gleichen Prinzipien, die sie mit allen inneren Stilen teilen. Gleichwohl der Schwerpunkt des Taijiquan heute verstärkt auf seinen positiven Gesundheitsaspekten und der Meditation liegt, ist nach wie vor in jeder Bewegung der Aspekt der Selbstverteidigung und der kämpferischen Anwendung enthalten. Auf diese Weise beinhaltet das Taijiquan mit seinen vielfältigen eleganten Bewegungen sowohl die Verkörperung der Lebensphilosophie des Daoismus, eine effektive Kampfkunst, ein allgemeines Gesundheit schützendes System und eine Meditation in Bewegung.
Auszug aus: I DAO - Schule für Taijiquan und Qigong - Ulrich Rosen
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